Entwicklung und Demonstration eines selbstfahrenden Güterwagens.
Hintergrund
Der Schienengüterverkehr steht zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Dafür verantwortlich sind vor allem die hohen System- und Personalkosten in Verbindung mit einem Fachkräftemangel. Besonders deutlich zeigt sich das beim Transport kleiner Gütermengen über kurze Distanzen sowie auf der ersten bzw. letzten Meile. Selbstfahrende Güterwagen können eine Lösung sein, zur Effizienzsteigerung beitragen und die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber dem Straßentransport stärken. Allerdings fehlen dafür noch die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Hier setzt das Projekt Lumberjack an.
Projektinhalt
Im Projekt Lumberjack verfolgen wir einen Retrofit-Ansatz (d.h., Modernisierung bestehender Betriebsmittel) und rüsten einen bestehenden Güterwagen mit Antrieb, batterieelektrischer Energieversorgung, Sensorik, Onboard-Steuerung und einer Kommunikationseinheit aus.
Wir erarbeiten außerdem die technischen, betrieblichen, sicherheitsrelevanten und regulatorischen Grundlagen für einen kontrollierten Testbetrieb. Wir entwickeln Betriebsszenarien, erstellen System- und Spezifikationsdokumente und definieren die Anforderungen für Tests.
Ziele
Das übergeordnete Ziel des Projekts Lumberjack ist die Schaffung einer rechtlichen und regulatorischen Grundlage für den zukünftigen Einsatz selbst fahrender Güterwagen in Österreich. Dafür prüfen wir die technische und betriebliche Umsetzbarkeit unter definierten Randbedingungen mit Hilfe eines Demonstrators (einem aufgerüsteten Frachtwagon)
Teilziele des Projektes sind:
- Schaffung einer rechtlichen und regulatorischen Grundlage für den zukünftigen Einsatz selbstfahrender Güterwagen in Österreich.
- Überprüfung der technischen und betrieblichen Umsetzbarkeit anhand eines Demonstrators.
- Erprobung des selbstfahrenden Güterwagens unter definierten Randbedingungen.
- Reduktion von Kosten und Aufwand im Rangierbetrieb.
- Erschließung neuer Marktsegmente im Schienengüterverkehr.
- Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Bahn gegenüber dem Straßengüterverkehr.
Innovation
Selbstfahrende Güterwaggons (SPW) sind schon länger Thema im Bahngüterverkehr. Allerdings blieb es bei einzelnen Versuchen und auch der Einsatz auf Nebenstrecken und der letzten Meile war nicht Teil der Überlegungen. Lumberjack geht einen Schritt weiter: Das Projekt verwendet einen realen Demonstrator und erarbeitet rechtliche und regulatorische Grundlagen für den künftigen Betrieb. Der Mehrwert unserer Vorgehensweise liegt darin, dass bereits bestehende Technologien aufgerüstet und an sicherheitsrelevante und betriebliche Anforderungen in ganz Europa angepasst werden.
Wir nutzen moderne Kommunikationslösungen, digitale Überwachung, automatisierte Steuerung, Hinderniserkennung sowie batterieelektrische Energieversorgung. Auf diese Weise wird der selbstfahrende Güterwagen zu einem vernetzten System, das nicht isoliert funktioniert, sondern in bestehende betriebliche Abläufe des Schienengüterverkehrs eingebunden werden kann.
Gleichzeitig adressiert Lumberjack konkrete wirtschaftliche und klimapolitische Herausforderungenwie hohe Kosten im Rangierbetrieb, Personalmangel, ungenutzte Infrastruktur aber auch die Notwendigkeit, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Damit steht das Projekt im Einklang mit den verkehrspolitischen Zielsetzungen Österreichs. Der BMK-Masterplan Güterverkehr 2030 formuliert dazu klar: „Das österreichische Mobilitätssystem soll 2040 klimaneutral sein. Güter sollen dabei wo immer möglich auf der Schiene transportiert werden.“
Projekt Partner
Rail Cargo Austria AG übernimmt die Konsortialführung und bringt die Perspektive eines Eisenbahnverkehrsunternehmens sowie die betrieblichen Anforderungen des Schienengüterverkehrs ein. RCA ist zentral für die Definition der Testszenarien, die betriebliche Bewertung und die spätere Verwertbarkeit der Projektergebnisse.
USTP-University of Applied Sciences GmbH unterstützt das Projekt mit wissenschaftlicher Expertise im Bereich Bahnsysteme, Automatisierung und regulatorischer Analyse. Im Arbeitspaket Spezifikation und Planung liegt der Fokus auf der Ausarbeitung von Betriebsszenarien, Systemkonzept und Systemdefinition sowie auf der strukturierten Ableitung von Anforderungen. Darüber hinaus wirkt die USTP an regulatorischen Fragestellungen und am Sicherheitskonzept mit.
FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH bearbeitet im Projekt insbesondere das Arbeitspaket Strategische Positionierung. Dabei werden Marktanforderungen und Einsatzmöglichkeiten selbstfahrender Güterwagen analysiert, potenzielle Anwendungsszenarien entwickelt und durch qualitative Interviews mit möglichen Anwender:innen und Verlader:innen validiert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bewertung von Anschlussbahnen und Terminals hinsichtlich ihres Implementierungspotenzials für SPW.
Econsult Betriebsberatungsges.m.b.H bringt Expertise in Logistikberatung, Transportwirtschaft und strategischer Planung von Logistiksystemen in das Projekt ein. Im Projekt unterstützt Econsult insbesondere die Analyse von Marktanforderungen und die Bewertung möglicher Einsatzszenarien. Darüber hinaus trägt Econsult zur wirtschaftlichen Bewertung und zur strategischen Einordnung selbstfahrender Güterwagen im Schienengüterverkehr bei.
SSC Railtec GmbH bringt Expertise in den Bereichen Schienenfahrzeugtechnik, Zulassungsmanagement und Fahrsicherheit von Schienenfahrzeugen in das Projekt ein. SSC unterstützt insbesondere die Bewertung sicherheitsrelevanter und zulassungsbezogener Anforderungen.
Fördergeber
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Department Bahntechnologie und Mobilität
Dmytro Kravchenko
- Rail Cargo Austria AG (lead)
- FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH
- Econsult Betriebsberatungsges.m.b.H
- SSC Railtec GmbH
