Unsichtbare Akteur*innen der Kulturproduktion auf digitalen Plattformen.
Das Forschungsprojekt widmet sich dem bislang unbeachteten Phänomen der „Hidden Intermediaries“ auf digitalen Plattformen. Wir nehmen an, dass gewöhnliche, nicht-prominente Nutzer:innen durch ihre Kommentare und Interaktionen auf digitalen Plattformen wie YouTube oder Instagram eine vermittelnde Rolle zwischen verschiedenen kulturellen Milieus einnehmen – ähnlich wie einst professionelle Mittler in der Buch-, Musik- oder Filmindustrie. Diese „verborgenen Mittler“ können, so die Annahme, durch ihre Online-Aktivitäten ebenso wie ihre Pendants in der traditionellen Kulturindustrie Communities miteinander verbinden und dadurch Innovationen befördern.
So plausibel diese Annahme auch ist, es gilt empirisch zu prüfen, ob diese „Hidden Intermediaries“ tatsächlich existieren, und wenn ja, wie sie sich verhalten und was ihre Motive sind. Das Projekt kombiniert zu diesem Zweck moderne, quantitative Verfahren der Social Network Analysis (SNA) mit qualitativen Beobachtungen der Online-Aktivitäten, die auch „Netnographie“ genannt werden. In einem ersten Schritt werden mit Hilfe von Maßzahlen der Netzwerkanalyse wie z.B. der „In-Betweeness Centrality“ Nutzer:innen identifiziert, die so genannte strukturelle Lücken zwischen Communitys überbrücken. In weiterer Folge werden diese Nutzer:innen dann ethnografisch (oder eben „netnographisch“) beobachtet, d.h. ihr Online-Verhalten registriert, die Kommentare analysiert und – wenn möglich – auch interviewt.
Die Forschung konzentriert sich auf Kommentare zu Musikvideos aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz), die in den letzten Jahren auf YouTube veröffentlicht wurden. Dazu werden über die Entwickler-Schnittstelle (API) von YouTube Millionen von Kommentaren zu den populärsten Videos ausgewählter Künstler:innen abgefragt. Aus der Verbindung von kommentierenden Nutzer:innen und den von ihnen kommentierten Künstler:innen wird eine Matrix gebildet, die als Grundlage für die netzwerkanalytische Identifikation der „Hidden Intermediaries“ dient.
Mit seinem interdisziplinären Ansatz leistet das Projekt, wie wir hoffen, nicht nur einen bedeutenden Beitrag zur Forschung zu digitalen Plattformen, sondern auch zu den Computational Social Sciences, die klassische sozialwissenschaftliche Fragen mit Methoden der Computerwissenschaft untersuchen. Einerseits rücken wir mit unserem Ansatz wieder menschliche Akteure in den Fokus der Plattformforschung und erhoffen uns andererseits Synergien aus der Verbindung von quantitativen Big-Data-Methoden mit qualitativen Ethnografien. Das Projekt liefert somit neue Erkenntnisse über die digitale Transformation der Kulturproduktion – und vielleicht auch über den digitalen Wandel der Gesellschaft insgesamt.
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Department Medien und Digitale Technologien
